Seilbahnpersonal

Die bisher veröffentlichten Wirtschaftlichkeitsrechnungen von Pro Bahn und der Universität Wuppertal gehen von drei Personalstellen für den Seilbahnbetrieb und damit von jährlichen Personalkosten von 180.000 € aus. Betrachtet man die Personalkosten realistisch, wird dieser Betrag bei weitem nicht ausreichen. Es ist damit zu rechnen, dass Personalkosten deutlich höher sind als sämtliche genannten Einsparungen und Mehreinnahmen.

Aktuell veröffentlichte Wirtschaftlichkeitsrechnungen zur Seilbahn in Wuppertal beruhen auf Ausarbeitungen aus 2012 (Pro Bahn) und 2013 (Universität Wuppertal) beide Studien sind auf der Website vom ADFC Wuppertal abrufbar und gehen von der gleichen Anzahl an benötigten Mitarbeitern für die Seilbahn aus.

Die Funktion des Betriebsleiters könnte hier in Personalunion von dem Betriebsleiter der Schwebebahn übernommen werden. Für die Mechaniker / Maschinisten werden 3 Planstellen  mit jeweils 60.000.-€ =180.000.-€ jährlichen Lohnkosten angesetzt, (…).

Studie von Pro Bahn Bergisch Land

Die Personalkosten orientieren sich hierbei an der Vergütung eines Maschinisten. Geplant wurde mit 3 Stellen. Weitere Personalkosten sind zusätzlich nicht zu erwarten, da die nötige Position eines Betriebsleiters in die Personalstruktur des weiteren ÖPNV in Wuppertal integriert werden können.

Studie der Bergischen Universität Wuppertal

In der Konzeptstudie von Pro Bahn wird davon ausgegangen, dass Stationsbedienstete aus „dem vorhandenen Personalbestand (z. B. Fahrausweisprüfer)“ gestellt werden. Es werden keine Personalkosten für Stationsbedienstete berücksichtigt.

Wie viel Personal wird wirklich für die Seilbahn benötigt?
Hierzu gibt die Vorstudie zur technischen Machbarkeit des Ingenieurbüros Schweiger erste realistische Informationen. Zum Thema Personal steht in der Studie:

Der Personalbedarf für den Betrieb der vorprojektierten Seilbahn in Wuppertal lässt sich wie folgt aufgliedern.

Für die Abwicklung des täglichen, öffentlichen Fahrgastbetriebs werden folgende Betriebsbedienstete benötigt:

Umlenkstation Bahnhof: 2 Stationsbedienstete
Zwischenstation Universität: 2 Stationsbedienstete
Antriebsstation Küllenhahn: 1 Maschinist / 1 Stationsbediensteter. (…)

In Abhängigkeit von der Betriebszeit pro Tag sind die Vorgenannten Positionen mehrfach zu besetzen.

Für den alltäglichen Betrieb wären also 6 Arbeitsstellen notwendig. Die Seilbahn soll laut der Projektseite von 6 Uhr bis 22 Uhr betrieben werden. Hinzu kommt die Garagierung der Gondeln mit jeweils einer halben Stunde morgens und abends.

Benötigte Arbeitstellen mit den genannten Betriebszeiten einschließlich Zeit für die Garagierung der Gondeln
Benötigte Arbeitsstellen mit den genannten Betriebszeiten einschließlich Zeit für die Garagierung der Gondeln

Die folgende Abbildung zeigt, wie viele Personen tatsächlich für die sechs Arbeitsplätze für Stationsbedienstete und Maschinist notwendig wären.

24 Mitarbeiter werden benötigt, wenn jeweils zwei Bedienstete in jeder Station vorzusehen sind.
24 Mitarbeiter werden benötigt, wenn jeweils zwei Bedienstete in jeder Station vorzusehen sind.

Laut der Studie vom Ingenieurbüro Schweiger sind darüber hinaus noch technische Mitarbeiter für die Wartung und Problembehebung vorzusehen. Eine konkrete Zahl wird allerdings nicht genannt. Darüber, wie viele Personen hierzu noch geplant werden müssten, geben Artikel der Rheinzeitung über die Seilbahn in Koblenz Anhaltspunkte.

Neben der Technik ist Magnus auch verantwortlich für den Ein- und Ausstieg, ihm unterstehen elf Mitarbeiter im technischen Team, außerdem zahlreiche Servicekräfte.

Aus dem Artikel: „Die Koblenzer Gondeln haben einen neuen Chef“, Rhein Zeitung, 09.09.2014

Während zu den Betriebszeiten der Bundesgartenschau, als die Gondel täglich von 9 Uhr morgens bis zur Abenddämmerung lief, 33 Mitarbeiter für einen reibungslosen Verlauf an der Seilbahn sorgten, ist das Team mittlerweile auf neun Mitarbeiter mit einer Daueranstellung geschrumpft.

Aus dem Artikel „Koblenz: Buga-Seilbahn hat sich eine Verschnaufpause redlich verdient“, Rhein Zeitung, 11.11.2011

Es sind also bei der Dreiseilumlaufbahn in Koblenz rund zehn technische Mitarbeiter beschäftigt.

Fazit:
Wie viele Personen bei der Seilbahn in Wuppertal beschäftigt sein würden, ist im weiteren Planungsverlauf zwingend zu prüfen. Es steht jedoch fest, dass es deutlich mehr als drei Personen sein werden. Beide bisher veröffentlichten Wirtschaftlichkeitsrechnungen weisen einen eher geringen Überschuss pro Jahr für die Seilbahn aus (Pro Bahn: rund 52.000 €, Bergische Universität Wuppertal:  rund 360.000 €). Da jeweils nur Personalkosten von drei Personen kalkuliert wurden, scheint ein wirtschaftlicher Betrieb der Seilbahn unrealistisch.

Übrigens:
Auch im niederländischen Groningen wurde eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung für eine urbane Seilbahn durchgeführt (Beratungsunternehmen Arcadis, Business Case Flyover Groningen vom 31. Januar 2015. Die dort geplante Dreiseilumlaufbahn ist mit der Situation in Wuppertal vergleichbar. Auch hier wären drei Stationen vorgesehen. Die Studie geht von 1,6 Millionen € Personalkosten pro Jahr aus, zuzüglich Managementkosten.

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